„Das Insektensterben. Wissen Wissenschaft Politik“, Vorlesung und Seminar Sommersemester 2019

Der Rückzug der Insekten ist seit dem Herbst 2017 ein wirkmächtiger, öffentlicher Diskurs geworden.

Die Vorlesung entwirft auf einer ersten Ebene eine Art Landkarte dieses Diskurses. Sie reicht von der Laienforschung über die Wissenschaft und ihre „Anhörung“, über Gutachten und Gegengutachten, Bundesdrucksachen und Anfragen bis zur Funktion medialer Echos und politischer Verlautbarungen.

Auf einer zweiten Ebene fragt die Vorlesung nach Verfahren und ihrer Epistemologie: Wie stellt man den Rückzug der Insekten fest? Welche Art von Beweis oder Evidenz wird hier aufgerufen? Welche Geräte mit welcher Geschichte, welche Orte, welche Wissensformen (Taxinomie oder Biomasse)? Welche Insektengruppen leiten die Forschung und welche speziellen Bedingungen für die Forschung setzen Wildbienen, Nachtfalter, „Schwebfliegen im Wahnbachtal“?

Eine dritte Ebene wird die Ursachen und den Begriff der „Ursache“ als solchen in den Blick nehmen. Die Ursachen sind so dicht verzweigt wie die technische Seinsweise unserer Gegenwart als ganze: von Ernährung und Landwirtschaft bis zu Landschaft und Energietechnik im Zeichen der Energiewende, die aus Kulturlandschaften Energielandschaften macht. Dazu kommen die klassischen, einem bestimmten Stand der Landwirtschaft geschuldeten Ursachen: Unkraut- und Insektenvernichtung und ihr state of the art: genmanipulierte Pflanzen. Wo die Vorlesung Ursachen befragt, könnte sie auch als Einführung in ökologische Denkweisen begriffen werden.

Auf einer vierten, letzten Ebene steht auf dem Spiel, welche Strukturen die Insekten zur wenigstens teilweisen Rückkehr bewegen könnten. Können ausgeräumte Landschaft wieder eingeräumt werden? Gibt es eine Wohnungsbaupolitik für Insekten?

Vorlesung TU Berlin, Donnerstag 16:00 bis 18:00 Uhr, TU Hauptgebäude, Raum H 1028
TU Vorlesung

Seminar HU Berlin, Freitag 12:00 bis 14:00 Uhr, Georgenstrasse 47, Raum 007
Seminar HU