In lieblicher Bläue

In lieblicher Bläue blühet mit dem metallenen Dache der Kirchturm, den umschwebet Geschrei von Schwalben, den umgibt die rührendste Bläue. Die Sonne gehet hoch darüber und färbet das Blech. Im Winde aber oben stille krähet die Fahne.

(Weitere Erläuterungen am Schluß der Seite.)


Denn an der Augen Schule Blau,
Fernher, am Tosen des Himmels

ernst geworden ist der Zorn an dem Himmel …

 

Die „paranoisch-kritische Methode“ (Salvador Dalí), die „methodische Paranoia“ (Thomas Pynchon) in großen Ehren, aber: Die künstlerische Fiktion der sogenannten „Chemtrails“ ist ein Ablenkungsmanöver!

Denn es geht um einen faktischen, einfachen und zirkulären Zusammenhang:

Weil durch Climate Change die Temperaturdifferenz zwischen Äquator und Nordpol geringer geworden ist, gibt es in den oberen Luftregionen sehr viel schwächere Höhenwinde.* Dadurch bleiben die Kondensstreifen, entstehend aus dem Kerosin der Flugzeuge, länger stehen und überlagern sich oft über Stunden. (1. Mai 2020, Corona Lockdown: Seit fünf Wochen sind kaum Himmelsbilder zu sehen.) Und warum wurde die Temperaturdifferenz zwischen Äquator und Nordpol geringer? Weil der CO2-Ausstoß aus dem Kerosin der Flugzeuge eine wichtige Ursache des Climate Change ist.

Darum entbirgt sich am Himmel die Katastrophe. Als Kunst ohne Künstler.

Auf einer Busfahrt über die Golden Gate Bridge „hörte man eine Menge ‚Wows‘ und ‚Starks‘, doch Zoyd fand die Brücke bloß auf diesselbe Art schön, wie man einen Revolver schön findet: wegen des Albtraums, der darin enthalten war …“ (Thomas Pynchon: Vineland, 1990 engl., 1993 dt.: S. 392 f.).

* Das Ergebnis einer Meta-Studie ist, „daß sich die Zirkulationsmuster von Luftströmen hoch oben im Himmel zeitweilig verändern, was das Wetter beeinflußt.“ Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdamer Institut für Klimaforschung: „Angeheizt von den menschengemachten Treibhausgasemissionen, werden die natürlichen Zirkulationsmuster wahrscheinlich von der globalen Erwärmung verzerrt.“
(FAZ Beilage UN Klimakonferenz 13. 11. 2018, S. V2: Krisenherde des Klimawandels)

„Während ein schwächelnder Golfstrom für kühle Temperaturen in Europa sorgen würde, könnte eine Abnahme der Höhenwinde im Norden für beständige Hochdruckgebiete und damit anhaltende Trockenheit sorgen.“
(FAZ Natur und Wissenschaft 31. 10. 2018, Race to Feed the World, Der Appetit wird uns so schnell nicht vergehen, S. N2.)

Mitte Juli 2021, während der Flutkatastrophen in Nordrhein-Westfalen: Das Tief ist so ortsfest! Denn: „Bis in höhere Luftschichten gab es kaum Windbewegungen. Die Luftdruckgebiete in der Region haben sich ingesamt nur ganz langsam verlagert.“
(DER SPIEGEL, 15.07.2021, 19:26, Interview mit Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst).

Jetstreams oder „Starkwindbänder“ in 15 km Höhe sind oft mehrere tausend Kilometer lang, mehrere hundert Kilometer breit, zwischen Arktis und Tropen. „Sie können sich wie Flüsse auffächern, abbrechen oder ihre Richtung ändern. Geschwindigkeiten von bis zu 400, in Extremfällen sogar über 600 Kilometern pro Stunde sind möglich.“ Sie werden „angetrieben von großräumigen Temperaturunterschieden, etwa zwischen der Arktis und den Tropen. Je stärker dieser Unterschied ausfällt, desto stärker ist auch die Windbewegung …“
(DER SPIEGEL Glossar, 30.11.2020, 13:44: Almut Cieschinger: Jetstream – Flüsse der Lüfte).

Es wäre eine entscheidende Frage, ja Wette „an den Zeichen, den Thaten der Welt jezt“: Was hat „Hölderlins Himmel und Erde“ mit den Flüssen zu tun? Die Flüsse sind Halbgötter und treten jetzt auch als Jetstreams auf. Wir sehen ihr schwächer Werden in lieblicher Bläue an den Himmel gezeichnet – von der Noosphäre.